Ganz klar liegt das Münsteraner Thiel/Boerne-Duo in der Beliebtheitsskala der „Tatort“-Ermittler ganz weit oben. Und so waren die Erwartungen der Fans an den gestrigen Tatort – Tempelräuber entsprechend hoch. Die Thematik war schon mal sehr brisant für das katholische Münsterland, denn solche geheimen Priester-Vaterschaften gibt es sicher mehr als genug. Den Zuschauern wurde auf unterhaltsame Weise vor Augen geführt, dass wir in einigen Dingen tatsächlich noch wie im Mittelalter leben. Man darf sicher gespannt sein, ob die katholische Kirche entsprechende Aufschreie oder Reaktionen auf diesen Tatort zeigen wird, denn begeistert dürfte sie davon nicht gewesen sein.
Der allseits beliebte Humor des Münteraner-Duos war auch gestern köstlich und gut dosiert. Die Szenen von Prof. Boerne (gespielt von Jan Josef Liefers) so gehandicapt in der Badewanne oder beim Brot schneiden hatten sogar schon etwas von tollem Slapstick.
Zugegeben, besonders das letzte Drittel von „Tempelräuber“ war etwas durchschaubar, hat aber der Story an sich keinen Abbruch getan. Für meinen Geschmack wirkte der junge Täter etwas zu früh schon verdächtig.
Etwas enttäuscht war ich von den ganzen „Zufällen“, die passiert sind. Es wurde natürlich ausgerechnet das Taxi von Thiels (gespielt von Axel Prahl) Vater geklaut. Genau zu der Zeit taucht Prof. Boerne am Tatort auf und dann engagiert dieser zufällig die Mutter des Täters als Haushälterin. Die Sache mit dem Taxi wirkte für mich ein wenig wie ein plumper Versuch, Thiels Vater weiterhin in der Handlung zu haben und wäre dieses mal absolut nicht notwendig gewesen.
Alles in allem habe ich mich aber prächtig unterhalten gefühlt und ich glaube genau das steht beim Münsteraner-“Tatort“ im Vordergrund und ist auch gut so. Die nötige Spannung zwischendurch hat auch nicht gefehlt, von daher wünsche ich mir noch viele weiter Fälle mit dem Thiel/Boerne-Gespann! Weiter so, lieber WDR!